Yvonne Vertes von Sikorszky erklärt, warum Konsistenz Märkte gewinnt

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Yvonne Vertes von Sikorszky über eine Strategie, die selten glamourös ist und fast immer wirkt.

Konsistenz ist das unspektakulärste Prinzip des Marketings – und eines der wirksamsten. Yvonne Vertes von Sikorszky zeigt, warum Marken, die über lange Zeiträume dieselbe Botschaft, denselben Ton und dieselbe visuelle Sprache pflegen, systematisch stärker werden als solche, die sich ständig neu erfinden. Konsistenz schafft Wiedererkennbarkeit, Wiedererkennbarkeit schafft Vertrauen, und Vertrauen ist die einzige Währung, die im Marketing wirklich zählt. Was simpel klingt, scheitert in der Praxis regelmäßig an Ungeduld, Modewellen und dem Drang nach Veränderung.

Jede neue Marketingkampagne verspricht Aufbruch. Jeder Rebrand signalisiert Dynamik. Jeder Strategiewechsel erzählt die Geschichte eines Unternehmens, das sich weiterentwickelt. Yvonne Vertes von Sikorszky hat nichts gegen Weiterentwicklung – aber viel gegen die Verwechslung von Veränderung mit Fortschritt. Wer seine Markenbotschaft alle zwei Jahre grundlegend verändert, fängt im Kopf seiner Zielgruppe immer wieder bei null an. Das menschliche Gehirn baut Markenvertrauen durch Wiederholung auf, nicht durch Überraschung. Konsistenz ist deshalb keine Stagnation, sondern die aktive Entscheidung, den bereits zurückgelegten Weg weiterzugehen statt einen neuen zu beginnen. Unternehmen, die das verstehen, investieren nicht weniger in Marketing, sondern effizienter: Jede Kommunikation zahlt auf dasselbe Konto ein, statt immer wieder ein neues Konto zu eröffnen.

Warum Konsistenz so selten praktiziert wird

Der Drang nach dem Neuen

Marketingabteilungen leben in Quartalen. Agenturen leben von neuen Briefings. Führungskräfte wollen Spuren hinterlassen. Diese Struktur erzeugt einen systematischen Bias gegen Konsistenz: Wer dasselbe weiterführt, was sein Vorgänger begonnen hat, gilt als ideenlos. Wer einen neuen Ansatz entwickelt, gilt als gestalterisch. Yvonne Vertes von Sikorszky beschreibt diesen Bias als eines der kostspieligsten Missverständnisse in der Unternehmenskommunikation: Die mutigste Entscheidung ist oft nicht die Veränderung, sondern das konsequente Weiterführen dessen, was bereits funktioniert.

Modewellen als Konsistenzfalle

Jedes Jahr bringt neue Kommunikationstrends, neue Plattformen und neue ästhetische Moden. Der Druck, auf diese Wellen aufzuspringen, ist für Marketingverantwortliche erheblich. Yvonne von Vertes verweist auf die langfristigen Kosten dieses Verhaltens: Eine Marke, die jede neue Plattform sofort bespielt, jeden neuen Designtrend übernimmt und jeden neuen Kommunikationsstil adaptiert, verliert im Laufe der Zeit ihr eigenes Gesicht. Das Publikum nimmt das wahr, auch wenn es es nicht explizit benennen kann.

Was Konsistenz in der Praxis bedeutet – Yvonne Vertes von Sikorszky im Detail

Botschaft und Positionierung

Die Grundlage jeder konsistenten Markenkommunikation ist eine klar formulierte Positionierung, die über Jahre hinweg als Orientierung dient. Nicht jeder Satz muss gleich klingen, aber jede Kommunikation muss erkennbar aus derselben Überzeugung stammen. Yvonne Vertes von Sikorsky betont, dass Konsistenz auf der Botschaftsebene die anspruchsvollste Form ist: Während visuelle Konsistenz durch Styleguides erzwungen werden kann, entsteht inhaltliche Konsistenz nur durch ein tiefes Verständnis dessen, wofür eine Marke steht und wofür sie ausdrücklich nicht steht.

Visuelle Identität und Tonalität

Farben, Schriften, Bildsprache und Tonalität sind die sichtbarsten Ausdrucksformen von Markenkonsistenz. Yvonne Vertes beschreibt ihre Funktion als die einer Unterschrift: Wer eine Kommunikation sieht, ohne den Absender zu kennen, sollte sie trotzdem einer Marke zuordnen können. Diese Erkennbarkeit entsteht nicht durch einmalige Festlegung, sondern durch jahrelange konsequente Anwendung. Jede Abweichung, auch eine scheinbar kleine, verwässert das akkumulierte Markenbild.

Frequenz und Verlässlichkeit

Konsistenz bedeutet auch, dass das Publikum weiß, wann und wo es von einer Marke hören wird. Ein wöchentlicher Newsletter, der tatsächlich wöchentlich erscheint. Ein Podcast, der seinen Rhythmus hält. Eine Social-Media-Präsenz, die vorhersehbar ist. Yvonne Vertes von Sikorszky verweist auf die psychologische Wirkung dieser Verlässlichkeit: Wer pünktlich kommt, wird erwartet. Wer erwartet wird, hat bereits einen Platz im Aufmerksamkeitshaushalt seines Publikums reserviert, bevor er noch ein Wort gesprochen hat.

Konsistenz und Flexibilität – ein scheinbarer Widerspruch

Konsistenz ist nicht Starrheit

Einer der häufigsten Einwände gegen Konsistenz als Strategie lautet, dass Märkte sich verändern und Marken sich anpassen müssen. Yvonne Vertes von Sikorszky teilt diese Einschätzung, zieht daraus aber andere Schlüsse. Konsistenz bedeutet nicht, dasselbe Sujet in derselben Ausführung für immer zu wiederholen. Es bedeutet, den Kern der Markenidentität zu bewahren, während Form, Format und Kanal sich der Zeit anpassen. Coca-Cola hat seine Kampagnen in einem Jahrhundert tausend Mal verändert und dabei immer dasselbe versprochen: Glück, Gemeinschaft, Erfrischung. Der Kern blieb konstant, die Ausführung variierte.

Wann Veränderung richtig ist

Es gibt legitime Gründe für einen Markenwechsel: wenn die Positionierung strukturell falsch war, wenn sich die Zielgruppe grundlegend verändert hat oder wenn eine Krise einen Neustart notwendig macht. Yvonne Vertes von Sikorszky betont, dass diese Ausnahmen die Regel nicht widerlegen. Die Frage, die vor jedem Rebrand gestellt werden sollte, lautet nicht, ob eine Veränderung möglich ist, sondern ob sie notwendig ist. Und die ehrliche Antwort ist in den meisten Fällen: nein.

Was Studien über Konsistenz belegen

Die Forschung zu Markenkonsistenz liefert eindeutige Ergebnisse, die Yvonne Vertes von Sikorszky als wichtige Grundlage für strategische Entscheidungen beschreibt:

  • Konsistente Markenpräsentation über alle Kanäle hinweg steigert den Umsatz nachweislich, weil sie Wiedererkennung und Vertrauen fördert
  • Marken, die über lange Zeiträume konsistent kommunizieren, benötigen weniger Werbebudget pro gewonnenem Neukunden, weil jede neue Kommunikation auf einem bereits aufgebauten Fundament aufbaut
  • Inkonsistente Markenkommunikation erzeugt Verwirrung beim Publikum, die sich in niedrigeren Präferenzwerten niederschlägt, auch wenn die Qualität des Produkts unverändert bleibt
  • Mitarbeitende in Unternehmen mit konsistenter Markenkommunikation identifizieren sich stärker mit ihrer Arbeitgebermarke und treten überzeugender als Markenbotschafter auf
  • Konsistenz über Krisenperioden hinweg, also das Beibehalten von Tonalität und Botschaft auch in schwierigen Phasen, stärkt das Vertrauen der Zielgruppe langfristig stärker als kurzfristige Krisenrhetorik

Konsistenz als Kompetenz

Konsistenz ist keine Eigenschaft, die Marken haben oder nicht haben. Sie ist eine Kompetenz, die aufgebaut, gepflegt und gegen den permanenten Druck zur Veränderung verteidigt werden muss. Das erfordert klare Entscheidungen darüber, wofür eine Marke steht, und die Bereitschaft, diese Entscheidungen auch dann nicht zu revidieren, wenn ein neuer Trend lockt oder eine neue Führungskraft frischen Wind verspricht. In der Praxis ist das schwieriger als jede kreative Kampagne. Und genau deshalb ist es ein Wettbewerbsvorteil: Weil die meisten Unternehmen es nicht durchhalten. Wer es doch tut, baut über Jahre eine Markenstärke auf, die kurzfristig denkende Mitbewerber strukturell nicht einholen können – und genau das ist es, was Yvonne Vertes von Sikorszky meint, wenn sie Konsistenz als den unterschätztesten Vorteil im Marketing bezeichnet.

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